Sujet Allemand LV1 IENA 2010

WORAN KANN ICH NOCH GLAUBEN?

In Mirko Schmids Familie hat jeder an etwas geglaubt. Mirkos Urgroßvater glaubte an den Antifaschismus, er versteckte seinen jüdischen Freund. Mirkos Oma war nicht sehr politisch, aber sie glaubte an die Sozialdemokratie, weil Willy Brandt ein Antifaschist war, wie ihr Vater, und weil sie soziale Gerechtigkeit richtig fand. Mirkos Mutter war ein Kind ihrer Zeit, sie glaubte an die Grünen, weil sie Atomkraftwerke falsch fand und weil Joschka Fischer in Turnschuhen menschlicher wirkte als die Konservativen in ihren feinen Anzügen. Was ist aber mit Mirko, woran glaubt der 24-Jährige?

Die Schmids waren immer eine Familie mit Überzeugungen, und jede Generation wusste, wer die Bösen sind und wie man die Welt retten kann. Seit kurzem studiert Mirko Politik und Wirtschaft. Warum denkt er so lange nach? Müsste er nicht auch an eine große Idee glauben, gerade heute, wo es so viele Fragen gibt, über die man streiten kann? Wie der Kapitalismus nach der Lehman-Pleite reformiert werden kann, wie wir den Klimawandel überleben oder die Globalisierung gestalten…

“Die großen Ideologien sind doch alle gescheitert”, sagt Mirko schließlich. Er ist anders als seine Vorfahren, er hat keine Ideologie, ein Außenseiter ist er damit aber nur in seiner Familie, unter heutigen Studenten gibt es kaum welche, die anders denken als er. Die Jugendlichen stellen sich nicht mehr unter das Banner einer Ideologie. Sie denken konkret über Probleme wie den Klimawandel und die Globalisierung nach, lehnen jedoch jegliche Weltanschauung ab.

In den Achtzigern stritten sich fast 50% der Jugendlichen regelmäßig mit ihren Eltern über Politik. Heute ist man sich einig. Vorbei sind die Zeiten, in denen bei Vater ein Adenauer-Bild über dem Schreibtisch und beim Sohn ein Ho Chi Minh-Poster über dem Bett hing… Vergleicht man, was heute gefordert wird, mit der Vergangenheit, klingt es klein, fast schüchtern. Früher verlangte ein Studentenführer namens Rudi Dutschke die Weltrevolution, die Befreiung der Arbeiterklasse, heute verlangt Attac eine Spekulationssteuer von einem Prozent auf internationale Devisengeschäfte. Früher diskutierten Studenten über die Abschaffung des Kapitalismus, heute, da das Finanzsystem tatsächlich scheitert, skandieren sie nur: “Wir zahlen nicht für eure Krise!” und fordern “mehr Wirtschaftswachstum”.

Früher war auch Mirko von vielen Dingen überzeugt, bis er sich nicht mehr so sicher war. Mit 18 war er z. B. gegen Atomkraftwerke, aber er denkt heute, dass es gut wäre, eine Alternative zur Atomkraft zu haben, bevor man die Reaktoren blindlings abschaltet. Mirko hat mit den Jahren gemerkt, dass es ihm weniger auf schöne Reden als auf Resultate ankommt. Spricht man mit Studenten über die großen politischen und philosophischen Denksysteme der Geschichte, reagieren die meisten eher skeptisch. Sie finden sie lebensfremd, nervig oder gescheitert.

Bei aller Individualität haben die Studenten heute trotzdem mehr gemeinsam, als ihre Eltern behaupten. Ihre Ablehnung aller Ideologien ist stark, sie ist total. Aber auch sie haben einen « Ismus », an den alle glauben, den Pragmatismus. Sie führen ein Leben ohne Ideologien, in dem Entscheidungen nicht nach Parteibuch, Konfession oder Lebensauffassung getroffen werden, sondern danach, was im Einzelfall sinnvoll erscheint. Man kann diesen Geist überall in Deutschland beobachten, besonders an den Orten, an denen die Ideologien früher besonders präsent waren.

Manche sagen, dass es pragmatischen Menschen schwerfällt, moralische Überzeugungen zu entwickeln – weil sie das Gute immer dort sehen, wo es ihnen nutzt. Vielleicht sollte man junge Menschen nicht gleich für Opportunisten halten. Wer kein Marxist ist und auch kein Kapitalist, wer keiner Konfession angehört und auch keiner Partei, ist nicht automatisch jemand, der keine Werte hat. Jeder Mensch will den Weltfrieden, neu ist nur die Art, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Anders als früher bevorzugen Studenten heute praktische Lösungen und kleine Projekte gegenüber großen Revolutionen: Kölner Studenten unterrichten Aids-Waisenkinder in Südafrika, Freiburger Studenten rufen zum Blutspenden auf, Berliner Studenten organisieren Stipendien für Kommilitonen aus Zentralasien. Jeder zweite Student will sich stark für andere Menschen einsetzen.

Denkt man darüber nach, ist es keine schlechte Welt, die die Studenten heute anstreben. Das Pragmatische könnte durchaus die richtige Reaktion auf eine Wirtschafts-, Klima- und Terrorismus-Krise sein.

Nach einem Artikel von Justus BENDER,

In: DIE ZEIT, Juli-August 2009

I. VERSION (sur 20 points)

Traduire le titre et les paragraphes 2 et 3, depuis : „Die Schmids waren immer eine Familie mit Überzeugungen … ” jusqu’à : ” … lehnen jedoch jegliche Weltanschauung ab.”

II. QUESTIONS (sur 40 points)

1. Question de compréhension du texte
Inwiefern ist die Jugend von heute anders als die von gestern? (100 mots + ou – 10%* ; sur 10 points)

2. Question de compréhension du texte
Warum findet der Autor den Pragmatismus der heutigen Jugend doch positiv? (100 mots + ou – 10%* ; sur 10 points)

3. Question d’expression personnelle
“Der Jugend von heute geht es viel zu gut”, meinen manche ältere Leute oft… Nehmen Sie dazu Stellung. (300 mots + ou – 10%* ; sur 20 points)

Le non-respect de ces normes sera sanctionné. (Indiquer le nombre de mots sur la copie après chaque question.)

III. THÈME (sur 20 points)

VINGT ANS APRÈS LA CHUTE DU MUR DE BERLIN,
L’AUTO “ROUGE” VA DEVENIR “VERTE”

L’objectif de Jean-Louis Borloo est que deux millions de voitures propres roulent sur les routes françaises en 2020. Et parmi les nouveaux modèles on trouve la « Trabant », la voiture mythique de l’Allemagne de l’Est. Un prototype de la « new Trabi », avec un moteur électrique, a été présenté en septembre au Salon de l’automobile de Francfort.

Economique et robuste : c’étaient les caractéristiques de la « Trabant », signe extérieur d’une certaine réussite en RDA et complètement dépassée après la chute du Mur de Berlin. Si le processus de fabrication commence rapidement, cette voiture peut être commercialisée dès 2012.

Toutefois son prix (autour de 20 000 €) pourrait l’empêcher de devenir une voiture aussi populaire que son ancêtre. Même si les ménages est-allemands devaient patienter longtemps pour l’acquérir, plus de trois millions d’exemplaires furent en effet vendus.

D’après un article dans Europe1.fr (jeudi 1er octobre 2009)